„Schrei doch nicht so!!!!!“ – Wie viele Satzzeichen sind eigentlich okay?

Foto

Kannst du vielleicht mal endlich ans Telefon gehen??????“, „Das Dschungelcamp guck ich nicht, find ich so peinlich!!!!!!!!“ – viele von uns kennen das Phänomen: in Blog- und Foreneinträgen, in SMS, aber auch bei Nachrichten in sozialen Netzwerken: Menschen kommunizieren miteinander und werfen dabei mit Satzzeichen um sich. Auf uns erweckt es immer den Anschein, als wolle man uns anschreien – deshalb hier ein kleiner Ratgeber zum richtigen Gebrauch von Satzzeichen.

Warum gebrauchen Menschen Satzzeichen eigentlich so inflationär? Wollen sie sich wirklich anschreien? Wahrscheinlich ist die Ursache oft der Wille, seiner Aussage mehr Gewicht zu verleihen. In unserer Schriftsprache – und ganz besonders in der, die wir im Internet verwenden – ist es gar nicht so einfach, einer Aussage Gewicht zu geben. Wir können nicht betonen, nicht mit Mimik und Gestik unterstreichen und wir können auch nicht lauter werden – deshalb greifen wir zu fünf Ausrufezeichen hintereinander oder beenden eine Frage mit sieben Fragezeichen. Und wenn wir nachdenklich sind… dann drücken wir das nur allzu gerne mit den vielen kleinen Punkten aus…
Satzzeichen geben einem Satz Sinn und sorgen für seine Strukturierung. Wenn wir zum Beispiel eine Rede halten müssen, sorgen die Satzzeichen dafür, dass wir nicht die Orientierung im Satz verlieren und wissen, wo ein Satz oder Nebensatz aufhört.
Aber wie geht’s denn jetzt eigentlich richtig?

Das Ausrufezeichen

Das Ausrufezeichen kann nicht willkürlich in jedem Satz verwendet werden. Es wird nach Aufforderungen, Wünschen, Bekräftigungen, förmlichen Anreden und Ausrufen benutzt, also zum Beispiel:

  • Julia, hier darf man nicht vom Beckenrand springen!
  • Also Nora, diese neue Frisur steht dir aber wirklich gut!

In Kombination mit Anführungszeichen gibt es auch ein paar Regeln zu beachten. Wenn das Ausrufezeichen zu der Anführung (beispielsweise wörtlicher Rede) gehört, wird es vor das letzte Anführungszeichen gesetzt:

  • Julia, hör sofort auf, immer vom Beckenrand zu springen!“, schrie der Bademeister.

Wenn das Ausrufezeichen allerdings nicht in die Anführung gehört, kommt es hinter das letzte Anführungszeichen, zum Beispiel:

  • Los, wir spielen eine Runde „Skip-Bo“!

Die gleichen Regeln gelten übrigens für Ausrufezeichen in Kombination mit Klammern.

Das Fragezeichen

Dieses Satzzeichen steht natürlich immer dann am Satzende, wenn es sich um einen Fragesatz handelt – ganz egal, ob eine Antwort erwartet wird oder nicht. Dies können beispielsweise auch rhetorische Fragen sein:

  • Was soll man dazu noch sagen?

Auch bei Fragen, deren Satzstruktur eigentlich der eines Aussagesatzes entspricht, wird ein Fragezeichen verwendet, zum Beispiel:

  • Ach, hier darf man gar nicht vom Beckenrand springen?

Es ist auch möglich, einzelne Wörter oder Wortgruppen durch ein Fragezeichen zu einer Frage zu machen. Hierbei kann es sich um einzelnes Fragewort handeln, beispielsweise:

  • Wieso?

Werden mehrere Fragewörter aneinander gereiht, werden diese durch Kommata getrennt und das Fragezeichen steht ganz am Ende:

  • Wieso, weshalb, warum?

In der indirekten Rede existiert eine Besonderheit, wenn Fragesätze nacherzählt werden sollen. Hier mal ein Vergleich zwischen direkter und indirekter Rede:

  • Nora, hast du eine neue Frisur?“, fragte Julia.
  • Julia fragte Nora, ob sie eine neue Frisur habe.

Das Fragezeichen fällt bei der indirekten Rede also weg.

Für das Fragezeichen in Kombination mit Anführungszeichen und Klammern gelten übrigens die gleichen Regeln wie für das Ausrufezeichen.

Es ist übrigens möglich, Ausrufezeichen und Fragezeichen in Kombination zu verwenden – das funktioniert immer dann, wenn ein Satz sowohl als Aussage- als auch als Fragesatz verstanden werden kann.

Aber egal, ob Fragezeichen, Ausrufezeichen oder beides zusammen – in der Regel reicht es, jeweils eins davon zu verwenden, um verstanden zu werden! Sollte es aber wirklich von Nöten sein, auch schriftlich mal so richtig loszuschreien – beispielsweise, weil wir gerade bei Facebook eine hitzige Debatte darüber führen, wer den nächsten Artikel schreiben muss – dann dürfen es natürlich trotzdem auch mal mehr Ausrufe- oder Fragezeichen sein. Um unserer Schriftsprache Nachdruck zu verleihen, bleibt uns einfach oft keine andere Wahl. Wir sind aber der Meinung: mehr als fünf Satzzeichen hintereinander sind übertrieben – und bitte auch nicht in jedem Satz!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s